Filter

Friedrich II. lässt im März 1756 in Schlesien den Anbau von Kartoffeln anordnen

Belegt durch 6 unabhängige Quellen

ZeitalterFrühe NeuzeitNeuzeit

Zuletzt geändert am

Am 24. März 1756 wies Friedrich II. die Landräte und Beamten Schlesiens per Rundschreiben an, den Kartoffelanbau zu fördern. Es war einer von 15 solchen Befehlen; durchgesetzt hat sich die Knolle in Brandenburg erst nach der Hungersnot von 1770 bis 1772.

Am 24. März 1756 schickte Friedrich II. von Preußen ein Rundschreiben an die Landräte und Beamten Schlesiens, in dem er auf den Nutzen der Kartoffel hinwies.2 Nach dem Wortlaut, den das Blog Another View on History wiedergibt, sei in anderen Provinzen der Anbau der „Tartoffeln“ bereits ernstlich befohlen, in Schlesien aber gebe man sich an den meisten Orten kaum damit ab.3 Die Beamten sollten Herrschaften und Untertanen den Nutzen begreiflich machen und ihnen raten, noch im selben Frühjahr Kartoffeln zu pflanzen.3 Sie sollten außerdem überwachen, ob die Bauern den Anweisungen folgten.2 Nach einer Seminararbeit von Angelika Miertl betraf das Rundschreiben nur Schlesien, das Preußen kurz zuvor erobert hatte; den Anbau ließ Friedrich durch Landdragoner überwachen.5

Der Befehl von 1756 war nicht der erste.156 Nach Miertl gab die pommersche schon 1746 einen ersten Kartoffelbefehl heraus.5 Auch das Brandenburg-Preußen Museum in Wustrau datiert den ersten Befehl auf 1746, anlässlich einer Hungersnot in Pommern.6 Die Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung nennt dagegen einen Befehl von 1748 den ersten des Königs; mit ihm wies er die kur- und neumärkischen Beamten an, Bauern und Ackerbürger zum Anbau anzuhalten.1 Überliefert sind nach der Landeszentrale 15 solcher Rundschreiben, elf davon an die Schlesier; das Deutschlandmuseum spricht von mindestens 15 Erlassen.12 1765 befahl der König seinen märkischen Untertanen erneut den Anbau, nun in strengerem Ton und unter Androhung von Strafen.1

Als Wendepunkt nennt die Landeszentrale die Hungersnot von 1770 bis 1772, die halb Europa traf und auf mehrere Missernten beim Getreide folgte.1 Zwischen 1765 und 1774 verdoppelte sich der Kartoffelanbau in Brandenburg.1 Nach der Preußen-Chronik des rbb führte ein Dekret Friedrichs II. 1775 nach einer Hungersnot den großflächigen Anbau in Preußen ein, und die Ernährung stellte sich von Brot auf Kartoffeln um.4

Wie verbindlich der Befehl von 1756 war, stellen die Quellen verschieden dar: Die Preußen-Chronik schreibt, er habe die Bauern zum Anbau gezwungen.4 Im überlieferten Wortlaut sollen die Beamten den Anbau dagegen begreiflich machen und anraten.3 Die Erzählung, der König habe Kartoffelfelder bewachen lassen, damit die Untertanen die scheinbar wertvollen Knollen stehlen, hat sich nach der Landeszentrale höchstwahrscheinlich nicht in Brandenburg-Preußen zugetragen; in Frankreich wurde dieselbe List schon früher Antoine Parmentier zugeschrieben.1

Siehe auch