Tonhüllen in Susa schließen Zählsteine unter Siegel ein
In Susa schloss man im 4. Jahrtausend v. Chr. Zählsteine aus Ton in gesiegelte Hüllen ein, damit niemand eine Abrechnung unbemerkt ändern konnte. Ob aus den Abdrücken auf den Hüllen die Schrift entstand, ist umstritten.
In Susa im heutigen Iran schloss man im vierten Jahrtausend v. Chr. Zählsteine aus Ton in hohle Hüllen aus Ton ein.6,2 Die Angaben reichen von der Mitte des Jahrtausends6 bis an sein Ende.2 Die Hüllen hatten etwa Größe und Form eines Baseballs und heißen in der Fachliteratur Bullae.2 Die Steine standen für Mengen von Gütern wie Vieh, Getreide oder Bier.5
Zwei Verfahren sollten verhindern, dass jemand einen Satz Zählsteine veränderte und die Aufzeichnung damit verfälschte.1 Man fädelte die Steine auf und siegelte die Enden der Schnur mit einem Rollsiegel in Ton,1 oder man schloss sie in eine Hülle ein, die mit einem Roll- oder Stempelsiegel den Absender auswies.5 Weil man die Steine in der Hülle nicht mehr sehen konnte, drückte man jeden vor dem Einschließen außen in den Ton.1 Eine kugelförmige Hülle aus Susa trägt sieben Abdrücke für die sieben Steine, die sie enthielt.6 Brach man die Hülle auf, ließ sich prüfen, ob die Menge außen mit der innen übereinstimmte.5 Hüllen dieser Art blieben im dritten und zweiten Jahrtausend in Gebrauch und wurden später auch für Tontafeln übernommen.5
Die Archäologin Denise Schmandt-Besserat sieht in den Abdrücken auf den Hüllen die erste Form der Schrift, die zur Keilschrift beitrug.4 Diese Theorie ist nicht mehr so breit anerkannt wie früher, auch weil Zählsteine noch lange nach der Ausbreitung der Schrift neben ihr benutzt wurden.3 Der Rezensent Paul Zimansky wandte ein, dass fast keine der komplexen Formen von Zählsteinen je in einer Hülle gefunden wurde.2 Er sah den Stand deshalb dort, wo ihn Pierre Amiet 1966 hinterlassen hatte: Zählsteine in Hüllen, und Bildzeichen erst nach einer Phase, in der Tafeln nur Zahlzeichen trugen.2
Siehe auch
- Kültepe: Assyrische Händler verschließen Briefe in Tonhüllen 1850 v. Chr. Gut anderthalb Jahrtausende später hüllten assyrische Händler nicht mehr Zählsteine, sondern beschriebene Tafeln in Ton.
- Rechentechnik Uruk: Proto-Keilschrift zählt je nach Gut in eigenen Zahlsystemen 3200 v. Chr. Die Zahlzeichen der Proto-Keilschrift, deren Herkunft aus den Zählsteinen derselbe Streit betrifft.
Hierher verwiesen
- Ur-III-Zeit: Tonhüllen schützen Urkunden vor Fälschung 2041 v. Chr. Der ältere Fall: gesiegelte Hüllen um Zählsteine statt um beschriebene Tafeln.
- Arslantepe: Palast sichert Türen und Behälter mit Siegelungen 3300 v. Chr. Zur selben Zeit sicherten Siegel in Susa die Zählsteine in ihren Tonhüllen.
- Tell Sabi Abyad versiegelt um 6000 v. Chr. Behälter mit Ton 6000 v. Chr. Später schlossen gesiegelte Hüllen in Susa nicht mehr Behälter, sondern die Zählsteine selbst ein.