Kültepe: Assyrische Händler verschließen Briefe in Tonhüllen
Assyrische Kaufleute in Kanesch, dem heutigen Kültepe, schickten ihre Briefe im 19. Jahrhundert v. Chr. in Hüllen aus Ton. Siegel und Namen standen außen, den Brief las erst der Empfänger, der die Hülle aufbrach.
In Kültepe, dem antiken Kanesch in Zentralanatolien, ließen sich zu Beginn des zweiten Jahrtausends v. Chr. assyrische Kaufleute aus dem Norden des heutigen Irak nieder, um Fernhandel zu treiben.3 Ihre Briefe verschickten sie unter einer Hülle: Die an der Sonne getrocknete Tafel wurde mit einer dünnen Schicht Ton überzogen.1 Diese Hülle schützte die Tafel und die Vertraulichkeit ihres Inhalts auf dem Transport.1 Der Absender rollte sein Rollsiegel auf der Hülle ab und schrieb seinen Namen und den des Empfängers darauf, und erst der Empfänger brach die Hülle auf, um den Brief zu lesen.1 Solche Hüllen sollten bewirken, dass nur der Empfänger die Nachricht lesen konnte oder zumindest merkte, wenn sie beschädigt war oder fehlte.4
Die Briefe aus Kültepe stammen aus dem 19. Jahrhundert v. Chr.1,3 Ein Brief samt Hülle in den Harvard Art Museums kommt wahrscheinlich aus dem Handelsviertel bei Kültepe.2 Er wird dort der Schicht II dieses Viertels zugeordnet, um 1927 bis 1836 v. Chr.2 Auf der teilweise zerstörten Hülle ist das Siegel des Absenders Aššur-lamassi achtmal abgerollt.2 Der Brief selbst, 25 Zeilen lang, ging zwischen zwei Kupferhändlern hin und her.2
Die Ausgrabungen in Kültepe begannen 1948 unter Tahsin Özgüç und hatten bis 2018 insgesamt 17.760 Tafeln, Hüllen und Fragmente in altassyrischem Dialekt erbracht.5 Manche Briefe sind bis heute in ihren Hüllen verschlossen; vermutet wird, dass ihr Empfänger abwesend oder gestorben war oder dass es Abschriften sind, die der Absender behielt.1 Mit einem tragbaren Tomografen ließen sich solche Briefe in der Türkei lesen, ohne die Hüllen zu öffnen.3,4 Seit sie verschlossen wurden, hatte niemand den Inhalt dieser Briefe gelesen.3
Siehe auch
- Skytale: Spartas Botenstab, und der Streit, ob er verschlüsselte 487 v. Chr. Der nächste Eintrag im Bereich: ein Botenstab, über dessen Gebrauch als Geheimschrift gestritten wird.
- Caesar-Chiffre: Sueton überliefert D für A im 2. Jahrhundert 121 Auch Caesar schützte vertrauliche Briefe, aber durch verschobene Buchstaben statt durch eine Hülle.
Hierher verwiesen
- Caesar-Chiffre: Sueton überliefert D für A im 2. Jahrhundert 121 Fast zwei Jahrtausende früher schützte eine Hülle aus Ton den Inhalt eines Briefs.
- Handel Tafel an Ea-nasir: Kunde rügt um 1750 v. Chr. schlechtes Kupfer 1750 v. Chr. Etwa zur selben Zeit schrieben assyrische Kaufleute in Kanesch ihre Geschäftsbriefe auf Ton.
- Ur-III-Zeit: Tonhüllen schützen Urkunden vor Fälschung 2041 v. Chr. Zwei Jahrhunderte später verschlossen assyrische Händler auch ihre Briefe in Tonhüllen.
- Tonhüllen in Susa schließen Zählsteine unter Siegel ein 3500 v. Chr. Gut anderthalb Jahrtausende später hüllten assyrische Händler nicht mehr Zählsteine, sondern beschriebene Tafeln in Ton.