Im 1. Jahrhundert v. Chr. schreibt Vitruv „De architectura“, die einzige vollständig erhaltene Architekturschrift der Antike
Der römische Architekt Vitruv schrieb im 1. Jahrhundert v. Chr. zehn Bücher über das Bauen, die einzige vollständig erhaltene Schrift dieser Art aus der Antike. Nach einem Handschriftenfund in St. Gallen um 1414 oder 1416 folgten ihr die Architekten der Renaissance.
Die zehn Bücher „De architectura“ des Römers Vitruv sind die einzige Schrift über Architektur, die aus der Antike vollständig erhalten ist.2 Vitruv widmete sie Octavian, nachdem dieser 31 v. Chr. bei Actium die Alleinherrschaft gewonnen hatte, aber bevor der ihm 27 v. Chr. verliehene Titel Augustus allgemein gebräuchlich war.1 Die World History Encyclopedia datiert die Schrift auf 30 bis 20 v. Chr.2 Nach dem King's College London entstand sie wahrscheinlich nach 27 v. Chr.6 Ein zweiter Lexikontext auf derselben Seite von Encyclopedia.com nennt dagegen „etwa 40 v. Chr.“.1
Über Vitruv selbst ist wenig bekannt: Er arbeitete in nicht näher bekannter Funktion für Julius Caesar und war später unter Octavian für die Instandhaltung von Belagerungsmaschinen und Geschützen zuständig.1 Das zweite Buch behandelt Baustoffe wie Ziegel, Sand, Kalk, Stein und Holz.1 Das achte Buch gilt dem Wasser, seinen Quellen und seiner Leitung durch Aquädukte.2 Jeder Bau, so Vitruv, sei auf Dauerhaftigkeit, Zweckmäßigkeit und Schönheit hin anzulegen.4
Verloren war das Werk nie ganz: Klöster schrieben es weiter ab, und die älteste erhaltene Abschrift entstand nach dem Dictionary of Scientific Biography im neunten Jahrhundert in Jarrow.1 Als Wiederentdeckung gilt der Fund des Humanisten Poggio Bracciolini in der Abtei St. Gallen, den Encyclopedia.com auf 1414 datiert.1 Das Carleton College nennt 1416 und beschreibt die dort gefundene Handschrift als die älteste und genaueste; sie kam nach Florenz, wo Alberti und Brunelleschi sie studierten.3 Die Bibliotheken der University of Colorado Boulder setzen den Fund in St. Gallen auf 1416/17.5 Gedruckt erschien das Werk erstmals 1486 in Rom.1,3 Leon Battista Alberti folgte Vitruv in seinem zwischen 1452 und 1467 verfassten Traktat „De re aedificatoria“ bis in den Titel und die Gliederung in zehn Bücher.1 Leonardo da Vincis Vitruvianischer Mensch beruht nach der World History Encyclopedia auf den Proportionen, die Vitruv im ersten Kapitel des dritten Buches beschreibt.2
Siehe auch
- Unter Hadrian entsteht das Pantheon, dessen Betonkuppel bis heute ohne Bewehrung steht 125 Vitruv beschreibt Kalk und Stein als Baustoffe; das Pantheon zeigt ein gutes Jahrhundert später, was Rom daraus baute.
- Am 25. März 1436 weiht Papst Eugen IV. in Florenz die Domkuppel, die Brunelleschi ohne Lehrgerüst gebaut hat 1436 Brunelleschi studierte nach dem Carleton College die Vitruv-Handschrift aus St. Gallen.
- Im 27. Jahrhundert v. Chr. entsteht in Sakkara die Stufenpyramide des Djoser, Ägyptens erste Pyramide 2650 v. Chr. Zwei Baumeister der Antike: Imhotep ist als Entwerfer überliefert, Vitruv als Verfasser einer Schrift über das Bauen.
- Parthenon in Athen: Bau beginnt 447 v. Chr. unter Perikles 447 v. Chr. Am Parthenon stehen die Kurvaturen, die Vitruv als optischen Ausgleich deutete; eine Studie von 2026 bestreitet das.
Hierher verwiesen
- Pritzker-Preis 2026 geht an den Chilenen Smiljan Radić Clarke 2026 Vitruv verlangte von Bauten Festigkeit; die Jury lobt bei Radić die Zerbrechlichkeit.
- Energie Vitruv beschreibt um 25 v. Chr. die Wassermühle mit Zahnrädern 25 v. Chr. Das Werk, in dessen zehntem Buch die Mühle steht.
- Parthenon in Athen: Bau beginnt 447 v. Chr. unter Perikles 447 v. Chr. Vitruv ist der Gewährsmann für die Deutung der Kurvaturen als optischer Ausgleich, die hier bestritten wird.
- Im 27. Jahrhundert v. Chr. entsteht in Sakkara die Stufenpyramide des Djoser, Ägyptens erste Pyramide 2650 v. Chr. Zwei Baumeister der Antike: Imhotep ist als Entwerfer überliefert, Vitruv als Verfasser einer Schrift über das Bauen.