Filter

Rezepttafel aus Nippur sammelt Heilmittel ohne Zauberspruch

Belegt durch 4 unabhängige Quellen

ZeitalterAltertum

Zuletzt geändert am

Auf einer sumerischen Tontafel aus Nippur hielt ein Arzt seine Rezepte fest, ohne einen Gott oder Dämon zu nennen. Sie stammt aus dem 3. Jahrtausend v. Chr.; genauer datieren die Quellen sie verschieden.

Die Tontafel CBS 14221 stammt aus Nippur im heutigen Irak.2 Sie liegt im Penn Museum in Philadelphia.3 Ein unbekannter sumerischer Arzt hielt darauf seine Rezepte für Kollegen und Schüler fest.1 Die Zahl der Rezepte geben die Quellen mit 154 und mit mehr als einem Dutzend an.1 Wie alt die Tafel ist, geben sie verschieden an: etwa 2200 v. Chr. nach dem Penn Museum,2 etwa 2500 bis 2340 v. Chr. nach der Cuneiform Digital Library Initiative3 und das letzte Viertel des 3. Jahrtausends v. Chr. nach Samuel Noah Kramer.1 Im Register des Museums war sie zuerst als Ritualtext eingetragen; das wurde gestrichen und durch „Medical text/Old Akk/Ur III“ ersetzt.2

Die Rezepte nennen keinen Gott und keinen Dämon.1 Kramer hob das hervor, weil die bis 1954 veröffentlichten medizinischen Texte aus Mesopotamien aus dem 1. Jahrtausend v. Chr. stammten und oft voller Beschwörungen waren.1 Dass man Kranke in Sumer damals auch mit Zauber und Beschwörung behandelte, schließt er damit nicht aus.1 Als Mineralstoffe verwendete der Arzt vor allem Kochsalz und Salpeter.1 Welche Krankheiten die Mittel behandeln sollten, nennt die Tafel nicht.1 Auch Mengen, Dosis und Häufigkeit der Anwendung fehlen.1

Ausgegraben wurde die Tafel von einer amerikanischen Expedition, die sie in das Museum nach Philadelphia brachte.1 Die lesbaren Teile erschloss Martin Levey, der die chemischen und technischen Verfahren der Alten kannte.1 1954 erschien ein erster Bericht mit einer Übersetzung.1 Kramer nannte die Tafel das älteste medizinische Handbuch der Menschheit;1 History of Information zählt sie nur zu den ältesten bekannten medizinischen Texten Mesopotamiens.4

Siehe auch