Rete Medicea: Ferdinand II. richtet das erste Wettermessnetz ein
Ab 1654 sammelte ein von Ferdinand II. von Toskana eingerichtetes Netz aus elf Stationen Wetterbeobachtungen mit gleichartigen Thermometern. Die Aufzeichnungen gingen verloren und wurden erst Jahrhunderte später als früheste Temperaturreihe ausgewertet.
Im Jahr 1654 richtete Großherzog Ferdinand II. von Toskana das erste meteorologische Messnetz ein.1 Von 1654 bis 1667 koordinierte Luigi Antinori ein Netz aus italienischen und ausländischen Beobachtungsstationen.1 Das Netz, Rete Medicea genannt, umfasste elf Stationen in Europa, sieben davon in Italien; nur die Hauptstation in Florenz lief bis 1670.3 Außerhalb Italiens wurde in Innsbruck, Warschau, Osnabrück und Paris gemessen.4
Das Netz war der erste Versuch, Beobachtungen von verschiedenen Orten systematisch zu sammeln, mit gleichartigen Instrumenten und möglichst einheitlichen Verfahren.1 Dafür dienten Thermometer mit fünfzig Grad, die Ferdinand II. zugeschrieben werden und mit denen man die Wärme und Kälte der Luft maß, draußen wie drinnen.2 Ihr Vorzug war, dass sich die Anzeigen verschiedener Geräte miteinander vergleichen ließen, obwohl sie nicht die empfindlichsten waren.2 Das geschlossene Flüssigkeitsthermometer war schon 1641 entstanden und so gebaut, dass Schwankungen des Luftdrucks die Anzeige nicht beeinflussten.5 Chiara Bertolin und Dario Camuffo schreiben die Erfindung Ferdinand II. und Torricelli gemeinsam zu.3 Die Thermometer hingen an Nord- und an Südwänden und wurden alle drei bis vier Stunden abgelesen; zwischen 1654 und 1670 kamen so rund 40.000 Werte zusammen.4
Die Accademia del Cimento, die neben dem Netz arbeitete, veröffentlichte 1667 ihre „Saggi di naturali esperienze“ und wurde ein Jahr später aufgelöst.3 Nach der Französischen Revolution und dem Einmarsch Napoleons in Italien wurden die Originalaufzeichnungen auf unbekannte Bibliotheken verstreut.3 Erst nach jahrzehntelanger Suche in Museen, Bibliotheken und kirchlichen Archiven wurden sie ausgewertet und veröffentlicht.4 Verglichen mit den Jahren 1961 bis 1990 fanden Camuffo und Bertolin für Vallombrosa einen Anstieg der mittleren Jahrestemperatur um 1,41 Grad gegenüber dem 17. Jahrhundert.4 In Florenz war die Veränderung mit 0,18 Grad kleiner.4
Siehe auch
- Societas Meteorologica Palatina: Europa misst um 7, 14 und 21 Uhr 1780 Über ein Jahrhundert später dasselbe Prinzip — gleiche Geräte, feste Stunden —, diesmal von Mannheim aus.
- Saussure trägt einen Glaskasten auf den Berg 1774 Auch hier hängt der Befund am Thermometer; Saussure brauchte eines, das die Sonne im Kasten messen konnte.
Hierher verwiesen
- Robert Hooke legt 1663 ein Schema für Wetterbeobachtungen vor 1663 Das Florentiner Messnetz ging Hookes Anleitung um neun Jahre voraus.
- Thermoskop: Santorio beschreibt 1612 das Luftthermometer im Druck 1612 Gut vierzig Jahre später messen Thermometer in einem ersten Netz von Stationen.
- William Merle führt von 1337 bis 1344 ein Wettertagebuch 1337 Aus dem Tagebuch eines Einzelnen wird das Messnetz vieler Orte.