DigiCash verschickt die erste elektronische Barzahlung
Am 27. Mai 1994 ging bei DigiCash in Amsterdam die erste Zahlung mit elektronischem Bargeld über das Netz. Das Verfahren dahinter machte Zahlungen für die Bank unlesbar — und brauchte trotzdem eine Bank.
Am 27. Mai 1994 verschickte das Amsterdamer Unternehmen DigiCash nach eigener Darstellung die erste elektronische Barzahlung der Welt; im Oktober desselben Jahres begann ein Versuchsbetrieb mit einer Spielwährung.1 Gegründet hatte die Firma der Kryptograf David Chaum, um die Ideen aus seiner Forschung zu verwerten.3 Die Technik dahinter hatte er über zehn Jahre zuvor in einem Aufsatz über die beschrieben — ein Verfahren, mit dem eine Bank einen Betrag beglaubigen kann, ohne zu sehen, was sie beglaubigt.1,3
Bei ecash war die Verbindung zwischen Abhebung und Ausgabe für die Bank nicht herstellbar.2 Ein Bericht der Universität Konstanz von 1997 beschreibt den Grund: Der Rechner des Kunden erzeugte die Seriennummern der Münzen selbst und ließ sie von der Bank beglaubigen — weil die Bank die Nummern nicht kannte, konnte sie später nicht feststellen, wofür das Geld ausgegeben wurde.4 In den Jahren 1995 bis 1998 gaben mehrere Institute ecash aus, darunter die Mark Twain Bank in St. Louis, die Deutsche Bank, die Bank Austria und Den norske Bank.1 Die Deutsche Bank begann Ende 1996 mit einer sechsmonatigen Erprobung; aus dem Depotkonto ließen sich höchstens 400 Mark auf die Geldbörse des Rechners laden.4
Der Versuch in den Vereinigten Staaten blieb klein.2 Nach drei Jahren hatte die Mark Twain Bank rund 5.000 Kunden gewonnen, dann wurde der Betrieb eingestellt; im selben Jahr meldete DigiCash Insolvenz an.2,5 Der elektronische Handel wuchs weiter, aber mit der Kreditkarte als Zahlungsmittel.2 1999 verkaufte Chaum das Unternehmen und beendete seine Beteiligung.3
Die Angaben zu den Eckdaten gehen auseinander.1,2,3 Chaums eigene Darstellung setzt den Aufsatz über blinde Signaturen auf 1982, die Wikipedia nennt für dieselbe Arbeit 1983.1,3 Beides ist richtig: Vorgetragen wurde die Arbeit 1982 auf der Tagung CRYPTO, erschienen ist sie 1983 im Tagungsband "Advances in Cryptology" auf den Seiten 199 bis 203.6,7 Auch das Gründungsjahr von DigiCash stand in zwei Fassungen da: einmal 1989, einmal 1990.2,3 Die Europäische Kommission nennt in einem Rückblick ebenfalls 1990, womit die abweichende Angabe allein in einem der beiden Wikipedia-Artikel steht.5
Siehe auch
- Hashcash macht Rechenzeit zum Briefporto 1997 Drei Jahre später derselbe Gedanke ohne Bank: Knappheit aus Rechenzeit statt aus einer beglaubigenden Stelle.
- Das Bitcoin-Whitepaper erscheint auf einer Mailingliste 2008 Was hier an der Insolvenz einer Firma hing, sollte dort an keiner Firma mehr hängen.
Hierher verwiesen
- RPOW: Hal Finney macht Hashcash-Token weitergebbar 2004 Dieselbe Frage nach der Stelle, der man trauen muss — dort eine Bank, hier ein Server mit prüfbarer Software.
- Verschlüsselung und Datenschutz Diffie und Hellman zeigen 1976 Schlüsseltausch über offene Kanäle 1976 Chaums blinde Signatur baut auf der digitalen Signatur auf, die der Aufsatz von 1976 einführte.