Pestgebete Muršilis II.: Hethiterkönig bekennt Schuld des Vaters
Im späten 14. Jahrhundert v. Chr. bat der Hethiterkönig Muršili II. die Götter, eine Seuche zu beenden, die sein Reich seit zwanzig Jahren heimsuchte. Die Ursache suchte er in den Vergehen seines Vaters.
Der Hethiterkönig Muršili II. hinterließ mindestens ein Dutzend Gebete; zwei Drittel davon gelten seinem von Seuche und Feinden bedrängten Reich.1 Darin klagt er, dass in Hatti seit zwanzig Jahren Menschen sterben.1,3 Die Tafeln wurden in Boğazköy ausgegraben, wo die hethitische Hauptstadt Ḫattuša lag.3,4 Die Seuche dauerte mindestens zwanzig Jahre, von etwa 1320 bis 1300 v. Chr.4 Die erhaltene Tafel im Archäologischen Museum Istanbul stammt aus dem 13. Jahrhundert v. Chr., verfasst wurde der Text in der zweiten Hälfte des 14.5
Als unmittelbare Ursache nannte Muršili eine Epidemie, die ägyptische Gefangene nach Hatti gebracht hatten; sein Vater Šuppiluliuma I. hatte sie vom Schlachtfeld von Amqa verschleppt.1 Die Krankheit brach unter den Gefangenen aus und tötete schließlich Šuppiluliuma selbst und dessen Sohn und Nachfolger Arnuwanda.3 Diese Diagnose galt aber nur als Werkzeug göttlichen Zorns; die eigentlichen Ursachen mussten in langen Orakelbefragungen ermittelt werden.1 Als Vergehen des Vaters nennen die Gebete den Mord an Tudḫalija dem Jüngeren, den Bruch des Eides gegenüber Ägypten und vernachlässigte Opfer für den Fluss Mala.1 Muršili bekannte die Sünde seines Vaters.2 Den Wettergott bat er, ihm durch einen Traum, ein Orakel oder einen Propheten Auskunft zu geben.2 In den Orakelanfragen Muršilis und seiner Nachfolger wird die Schuld oft dem Vater oder den Vorfahren des Betenden zugeschrieben.1
Welche Krankheit es war, lässt sich nicht sagen, weil die Texte keine Symptome beschreiben.3 Ob die Seuche tatsächlich mit den Gefangenen nach Hatti kam, hält der Herausgeber der Gebete, Itamar Singer, für schwer zu entscheiden.1
Siehe auch
- Restaurationsstele: Tutanchamun stellt die alten Kulte wieder her 1330 v. Chr. Zur selben Zeit erklärte Tutanchamun die Not Ägyptens damit, dass die Götter das Land verlassen hätten.
- Mescha-Stele: Moabs König dankt Kemosch für den Sieg über Israel 840 v. Chr. Auch Mescha deutet das Unglück seines Landes als Zorn eines Gottes.