EU und Mercosur unterzeichnen Handelsabkommen nach rund 25 Jahren
Am 17. Januar 2026 unterzeichneten die EU und die Mercosur-Staaten in Asunción ein Partnerschafts- und ein Interimshandelsabkommen. Das Europäische Parlament ließ beide vom EuGH prüfen; der Handelsteil wird seit dem 1. Mai 2026 vorläufig angewendet.
Am 17. Januar 2026 unterzeichneten die Europäische Union und die Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay in Asunción ein Partnerschaftsabkommen und ein Interimshandelsabkommen.1,3,4 Für die EU unterschrieb Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, nachdem die Mitgliedstaaten am 9. Januar zugestimmt hatten.2,4 Die Zeremonie fand im Gran Teatro José Asunción Flores statt, wo 1991 der Gründungsvertrag des Mercosur unterzeichnet worden war; Brasiliens Präsident Lula da Silva ließ sich vom Außenminister vertreten.1
Verhandelt worden war rund 25 Jahre lang.1,2 Die beiden Blöcke umfassen mehr als 700 Millionen Menschen.1,2,4 Auf mehr als 90 Prozent des bilateralen Handels sollen keine Zölle mehr anfallen;2 die Mercosur-Staaten streichen sie auf 91 Prozent der Waren aus der EU, was EU-Unternehmen 4 Milliarden Euro Zoll im Jahr ersparen soll.4 Gegen das Abkommen protestierten unter anderem Landwirte in Irland, Umweltgruppen fürchteten mehr Entwaldung.2
Am 21. Januar 2026 beschloss das Europäische Parlament mit 334 zu 324 Stimmen bei 11 Enthaltungen, den Gerichtshof der EU prüfen zu lassen, ob die Rechtsgrundlage beider Abkommen mit den Verträgen vereinbar ist; über seine Zustimmung will es erst nach dem Gutachten abstimmen.3 Den Handelsteil wendet die EU dennoch seit dem 1. Mai 2026 vorläufig an, nachdem alle vier Mercosur-Staaten ihre gemeldet hatten.4,5 Über das Partnerschaftsabkommen entscheiden die nationalen Parlamente der EU-Staaten.4 Polen klagte am 10. Mai 2026 gegen den Ratsbeschluss zur vorläufigen Anwendung; den Antrag, ihn bis zum Urteil auszusetzen, wies der Vizepräsident des Gerichtshofs am 29. September 2026 im Eilverfahren ab.6
Siehe auch
- RCEP tritt zunächst für zehn von fünfzehn Unterzeichnerstaaten in Kraft 2022 Auch dort trat ein großes regionales Abkommen zunächst nur für einen Teil in Kraft.
- Politik Sechs Staaten unterzeichnen die Römischen Verträge 1957 Die dort vereinbarte Zollunion ist der Grund, warum die EU als ein Block verhandelt.
- Energie In Belém fehlt der Fahrplan weg von Öl, Gas und Kohle 2025 Die Entwaldung, die Umweltgruppen gegen das Abkommen anführten, war dort Verhandlungsgegenstand.
Hierher verwiesen
- Freihandelsabkommen Ukraine–Türkei gilt seit Oktober 2026 2026 Ein weiteres Handelsabkommen, das 2026 nach jahrelangem Stillstand zustande kam.