Der Europäische Gerichtshof hält die Mindestlohnrichtlinie im Kern aufrecht und streicht ihre Pflichtkriterien
Am 11. November 2025 wies der Europäische Gerichtshof die Klage Dänemarks gegen die EU-Mindestlohnrichtlinie von 2022 weitgehend ab. Nichtig sind die verbindlichen Kriterien für die Festsetzung gesetzlicher Mindestlöhne; der Rest der Richtlinie gilt.
Am 11. November 2025 erklärte die des Gerichtshofs der Europäischen Union Teile der Richtlinie über angemessene Mindestlöhne für nichtig und wies die Klage Dänemarks im Übrigen ab.1,5 Die Richtlinie ist damit nach dem Urteil grundsätzlich gültig, wie Euronews berichtete.2 Nichtig ist vor allem Artikel 5 Absatz 2, der verbindliche Kriterien für die Festsetzung gesetzlicher Mindestlöhne aufzählte.1,3 Gestrichen ist auch der Satzteil in Absatz 3, nach dem eine automatische Indexierung nicht zu einer Senkung des Mindestlohns führen darf.1 Dänemark muss zwei Drittel der Kosten von Parlament und Rat tragen.1
Dänemark, unterstützt von Schweden, hatte geltend gemacht, dass die Mitgliedstaaten selbst über die Löhne entscheiden sollten, vor allem durch Tarifverträge.2 In den gestrichenen Kriterien sah der Gerichtshof nach der Darstellung der Kanzlei Freshfields einen direkten Eingriff des Unionsrechts in die Festsetzung des Arbeitsentgelts.3 Die übrige Richtlinie greife dagegen nicht unmittelbar in das Koalitionsrecht ein, berichtete Euronews.2
Das Europäische Parlament hatte die Richtlinie (EU) 2022/2041 im September 2022 mit 505 zu 92 Stimmen bei 44 Enthaltungen angenommen.4 Staaten, in denen weniger als 80 Prozent der Beschäftigten unter Tarifverträge fallen, müssen einen Aktionsplan zur Förderung von Tarifverhandlungen aufstellen.4 Staaten, in denen der Mindestlohn ausschließlich durch Tarifverträge geschützt ist, müssen diese Regeln nicht einführen.4 Für die Umsetzung hatten die Mitgliedstaaten zwei Jahre Zeit.4 Der Europäische Gewerkschaftsbund zeigte sich nach dem Urteil sehr besorgt, dass der Wegfall der Klausel gegen Senkungen als Grund dienen könnte, gesetzliche Mindestlöhne zu kürzen.2
Siehe auch
- Statute of Labourers: England deckelt 1351 Löhne nach der Pest 1351 Das englische Gesetz von 1351 setzte Höchstlöhne fest; die Richtlinie soll Mindestlöhne sichern.
Hierher verwiesen
- Florida hebt den Mindestlohn am 30. September 2026 auf 15 Dollar 2026 In der EU stritt man zur selben Zeit, wer Mindestlöhne vorschreiben darf; in Florida setzten ihn die Wähler fest.
- DGB-Aktionstag: Gewerkschaften protestieren in 15 Großstädten 2026 Auch dort geht es um die Frage, wie weit Gesetzgeber Arbeitsbedingungen festlegen.
- Die ILO beschließt 2026 das erste Übereinkommen über Arbeit in der Plattformökonomie 2026 Die Lohnuntergrenze des Übereinkommens knüpft an Mindestlöhne an, wie sie die EU-Richtlinie regelt.
- Am 7. Juni 2026 endet die Frist für die EU-Entgelttransparenzrichtlinie, umgesetzt haben sie nur wenige Staaten 2026 Eine zweite EU-Richtlinie über Löhne, bei der um die Grenze der Unionszuständigkeit gestritten wurde.
- Statute of Labourers: England deckelt 1351 Löhne nach der Pest 1351 1351 setzte das Gesetz den Löhnen eine Obergrenze, 2022 eine EU-Richtlinie eine Untergrenze.