Ein Übergang im Thoriumkern wird 2024 direkt an einer Atomuhr gemessen
Im September 2024 wurde die Frequenz eines Übergangs im Atomkern von Thorium-229 direkt mit einer Atomuhr verglichen. Die Anordnung enthält nach NIST alle wesentlichen Techniken einer Kernuhr, ist aber selbst noch keine.
Am 4. September 2024 veröffentlichte die Zeitschrift Nature eine Arbeit, an der Thorsten Schumm von der TU Wien und Jun Ye vom JILA in Boulder beteiligt waren.2 Sie verband den Übergang im Thoriumkern direkt mit der Frequenz einer Strontium-87-Atomuhr.1,4 Die Thoriumkerne steckten dabei in einem Kristall aus Calciumfluorid.4 Angeregt wurden sie mit einem im Vakuum-Ultraviolett, den das Team aus einem Kamm im Infraroten erzeugte.4 Das Verhältnis der beiden Frequenzen bestimmte die Gruppe auf zwölf Stellen genau zu 4,707072615078.5
Eine Kernuhr würde die Zeit an Vorgängen im Atomkern messen und wäre damit weniger anfällig für äußere Störungen, möglicherweise auch genauer als eine Atomuhr.2 Ende der 1970er-Jahre stellten Physiker fest, dass Thorium-229 die kleinste Energielücke aller Atome hat.4 Im April desselben Jahres hatten Forschende der TU Wien und der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt den Übergang erstmals gezielt mit einem Laser angeregt.3,1 Damals ließ sich die Frequenz nach Schumm auf einige Gigahertz genau bestimmen, jetzt auf Kilohertz.3 NIST beziffert die Steigerung gegenüber der vorherigen, auf der Wellenlänge beruhenden Messung auf das Millionenfache.2
Nach NIST ist die Laboranordnung noch keine fertige Kernuhr, enthält aber alle wesentlichen Techniken dafür.2 Die TU Wien spricht in ihrer Mitteilung von der ersten Atomkern-Uhr, räumt aber ein, dass sie noch nicht genauer misst als eine gewöhnliche Atomuhr.3 Die systematischen Unsicherheiten des Frequenzverhältnisses wollen die Autoren in späteren Arbeiten untersuchen.1 NIST nennt die Nature-Ausgabe vom 4. September, die LMU München die vom 5. September, auf deren Titelseite die Arbeit stand.2,5
Siehe auch
- Die Generalkonferenz für Maß und Gewicht beschließt 2022 das Ende der Schaltsekunde 2022 Dort wird die Atomzeit mit der Erddrehung abgeglichen, hier ein möglicher Nachfolger der Atomuhr gemessen.
Hierher verwiesen
- Uhren auf dem Mars gehen 477 Mikrosekunden am Tag schneller 2025 Ein Jahr zuvor ging es um genauere Uhren auf der Erde, hier darum, wie dieselben Uhren auf dem Mars gehen.
- Optische Atomuhren: zehn Uhren in sechs Ländern verglichen 2025 Ein Jahr zuvor der Schritt über die optischen Uhren hinaus, zu einem Taktgeber im Atomkern.