Die Generalkonferenz für Maß und Gewicht beschließt 2022 das Ende der Schaltsekunde
Am 18. November 2022 beschloss die Generalkonferenz für Maß und Gewicht, die zulässige Abweichung der Weltzeit von der Erdrotation zu vergrößern. Das soll spätestens 2035 geschehen; dann sollen keine Schaltsekunden mehr nötig sein. Wie groß die neue Grenze wird, ist noch offen.
Am 18. November 2022 beschloss die Generalkonferenz für Maß und Gewicht in Versailles, spätestens von 2035 an keine mehr einzufügen.6,2 In der Resolution heißt es, die zulässige Differenz zwischen der Erdrotationszeit UT1 und der koordinierten Weltzeit UTC werde spätestens 2035 vergrößert.1 Die neue Grenze soll UTC für mindestens ein Jahrhundert ohne Sprünge lassen.1 Nach dem Bericht der Nachrichtenagentur AFP stimmte Russland dagegen, weil es den Termin auf 2040 verschieben wollte; andere Staaten hatten 2025 oder 2030 gefordert.2
Seit 1972 wurden 27 Schaltsekunden eingefügt, die letzte am 31. Dezember 2016.3,4 Nach der Resolution gefährden die Sprünge wichtige digitale Infrastruktur wie Satellitennavigation, Telekommunikation und Stromnetze.1 Betreiber hätten zudem eigene, nicht abgestimmte Verfahren entwickelt, um die Schaltsekunde einzufügen.1 Weil sich die Erde zuletzt schneller drehte, könnte erstmals eine negative Schaltsekunde nötig werden, deren Einfügen nie erprobt wurde.1,6 Judah Levine vom NIST rechnet damit um 2029, falls sich die Entwicklung fortsetzt.3
Die Weltfunkkonferenz der ITU schloss sich 2023 an: Die neue Grenze solle mindestens 100 Sekunden betragen, und der Übergang solle spätestens 2040 abgeschlossen sein.4 Die Resolution nennt damit eine Untergrenze, keinen festen Wert.8 Spektrum der Wissenschaft und heise online nannten dagegen eine Abweichung von etwa einer Minute.6,5 Den genauen Wert soll die 28. Generalkonferenz 2026 beschließen.1 Ein Beschlussentwurf für diese Konferenz im Oktober 2026 sieht eine Grenze von einer Stunde vor und soll vom 20. Mai 2027 an gelten.7
Siehe auch
- Die Meridiankonferenz legt Greenwich als Nullmeridian fest 1884 1884 einigte man sich auf einen Nullmeridian für die Weltzeit; 2022 darauf, sie von der Drehung der Erde zu lösen.
Hierher verwiesen
- CGPM 2026: UTC läuft ab 20. Mai 2027 ohne Schaltsekunden 2026 Der Beschluss von 2022, den diese Konferenz mit Datum und Grenzwert ausfüllt.
- Optische Atomuhren: zehn Uhren in sechs Ländern verglichen 2025 Dort ging es darum, wie die Atomzeit der Erddrehung folgt; hier darum, woran die Sekunde selbst gemessen wird.
- Ein Übergang im Thoriumkern wird 2024 direkt an einer Atomuhr gemessen 2024 Dort wird die Atomzeit mit der Erddrehung abgeglichen, hier ein möglicher Nachfolger der Atomuhr gemessen.
- SI-Neudefinition 2019 bindet Kilogramm an Planck-Konstante 2019 Die nächste Generalkonferenz beschloss 2022 das Ende der Schaltsekunde.