Sichuans jiaozi-Scheine werden zu staatlichem Papiergeld
Um 1023/1024 übernimmt die Song-Regierung in Sichuan die private Ausgabe der jiaozi-Scheine und bringt selbst Banknoten heraus. Nach heutigem Forschungsstand ist das das erste staatlich ausgegebene Papiergeld. Die genaue Jahreszahl schwankt zwischen der Gründung der Ausgabebehörde und der ersten Notenausgabe.
Ende des 10. Jahrhunderts gaben private Kaufmannshäuser in Chengdu, der Hauptstadt der Provinz Sichuan, papierene Scheine namens jiaozi aus, um die schweren, unhandlichen Eisenmünzen der Region zu ersetzen.1,2 Eine dritte Darstellung beschreibt keinen privaten Ursprung, sondern setzt um 1023 bei staatlichen Einlagenhäusern an: Wohlhabende hinterlegten dort wegen des Gewichts der Eisenmünzen ihre Bestände und erhielten ein Papier, das den Betrag bescheinigte.3 Als mehrere der ausgebenden Kaufmannshäuser zahlungsunfähig wurden und ihre Scheine nicht mehr einlösen konnten, verstaatlichte die Song-Regierung die Ausgabe.1,2
1023 übernahm der Staat die Kontrolle über die Ausgabe und richtete in Chengdu mit der Jiaozi wu eine eigene Behörde dafür ein.2 Eine andere Darstellung setzt den entscheidenden Schritt ein Jahr später an: 1024 habe die Song-Verwaltung die erste Serie amtlicher, staatlich gedeckter Scheine herausgegeben.2 Numismatiker halten den jiaozi für das erste Papiergeld der Geschichte.2 Eine Quelle setzt den Schritt zur eigentlichen Banknote allerdings erst beim staatlichen Ausgabemonopol um 1120 an.3
Der staatliche Zugriff blieb nicht bei der Ausgabebehörde stehen: Um 1120 richtete die Song-Regierung nach einer Quelle ein eigenes Monopol auf die Ausstellung solcher Scheine ein, was manche Darstellungen bereits als Übergang zur eigentlichen Banknote werten.3 Im 12. Jahrhundert führte die Song-Regierung Papiergeld auch in anderen Regionen ein; die mongolischen Herrscher führten es fort.1
Offen bleibt in der Forschung, welches Jahr als der eigentliche Beginn zu gelten hat: die Gründung der Ausgabebehörde 1023 oder die erste tatsächliche Notenausgabe 1024.1,2 Auch der Ursprung selbst wird unterschiedlich erzählt — als Geschichte scheiternder privater Kaufmannshäuser oder als Weiterentwicklung staatlicher Einlagenzertifikate.1,2,3 Dass der Staat um 1023 die Ausgabe der Kaufmannshäuser übernahm, sagen zwei Darstellungen übereinstimmend.1,2 Die dritte kennt um 1023 nur Einlagenscheine staatlicher Häuser und setzt die ersten Banknoten erst um 1120 an.3
Siehe auch
- Handel Erster allgemeiner Hansetag macht aus Kaufleuten einen Städtebund 1356 Dreihundert Jahre später organisierte sich der europäische Fernhandel über Bünde statt über Papier.
- Das Bitcoin-Whitepaper erscheint auf einer Mailingliste 2008 Wieder ein Zahlungsmittel ohne Metalldeckung — diesmal ohne Staat, der es ausgibt.
Hierher verwiesen
- Khubilai Khan gibt 1260 das zhongtong chao aus, Papiergeld mit Silberdeckung 1260 Zweihundert Jahre früher hatte der Song-Staat in Sichuan die Ausgabe von Papiergeld übernommen.
- Handel Vier Kaiser setzen Höchstpreise für rund 1400 Waren und Dienstleistungen fest 301 Wieder greift eine Zentralgewalt in den Preis ein — dort über das Geld, hier über die Ware.