Ischtar-Tor von Babylon entsteht aus glasierten Ziegeln
Um 575 v. Chr. ließ Nebukadnezar II. das Ischtar-Tor errichten, den Haupteingang Babylons mit Stieren und Drachen aus glasierten Ziegeln. Seit 1930 steht eine Rekonstruktion in Berlin.
Der babylonische König Nebukadnezar II. ließ das Ischtar-Tor um 575 v. Chr. errichten.1 Er regierte von 604 bis 562 v. Chr.2 Es war das achte Tor der Stadt und ihr Haupteingang.1 Als eines von mehreren Stadttoren gehörte es zur Stadtmauer Babylons, die man zu den Sieben Weltwundern der Antike zählte.2
Seine Wände tragen auf blauem Grund Reliefs aus glasierten Ziegeln: Wildstiere und schlangenleibige Drachen, die für die Götter Adad und Marduk stehen.2,1 Die Tiere selbst sind gelb und braun.1 Das Tor war mehr als 11,5 Meter hoch.1 In einer Inschrift schreibt Nebukadnezar, er habe Wildstiere und wilde Drachen in die Tordurchgänge gesetzt, damit die Menschen sie staunend betrachten.1,4 Das Tor wurde mehrfach umgebaut, weil die Straße stark erhöht wurde; die ältere Phase mit unglasierten Reliefs diente dem jüngeren Bau als Fundament.3 An der Prozessionsstraße schritten dem Eintretenden auf jeder Seite 60 Löwen entgegen, jeder 1,95 Meter lang.3 Geschätzt standen an der Straße 120 Löwen und am Tor 575 Drachen und Stiere in 13 Reihen, von denen nie alle zugleich zu sehen waren.5
Deutsche Archäologen um Robert Koldewey und Walter Andrae kamen im März 1899 nach Babylon, um die Stadt Nebukadnezars aus dem sechsten Jahrhundert v. Chr. freizulegen.4 Gleich nach Grabungsbeginn fand Koldewey Hunderttausende farbig glasierter Ziegelbruchstücke.2 Das Tor selbst wurde 1902 vollständig ausgegraben, unter Schutt von bis zu 17 Metern Höhe.3 Die Grabung lief fast ohne Unterbrechung 15 Jahre lang, bis der Erste Weltkrieg sie 1914 beendete.4 Ab 1928 setzte Andraes Team die Ziegel zusammen und schuf in zwei Jahren 30 Löwen, 26 Stiere und 17 Drachen.4 1930 wurde die Rekonstruktion im heutigen Pergamonmuseum eröffnet.1,4 Gezeigt wird nur der vordere Teil des Tors, der zweite, größere liegt im Depot.4
Siehe auch
- Im 18. Jahrhundert v. Chr. macht der Codex Hammurabi den Baumeister für ein einstürzendes Haus haftbar 1750 v. Chr. Gut tausend Jahre früher regelte ein babylonischer König, wofür ein Baumeister haftet.
- Parthenon in Athen: Bau beginnt 447 v. Chr. unter Perikles 447 v. Chr. Gut ein Jahrhundert später entstand in Athen der Parthenon.
Hierher verwiesen
- Wissenschaft Babylons ältestes astronomisches Tagebuch stammt von 652 v. Chr. 652 v. Chr. Dieselbe Stadt, zur Zeit der Tagebücher: das Tor, das Nebukadnezar II. errichten ließ.