Englands Navigationsakte bindet den Seehandel an eigene Schiffe
Am 9. Oktober 1651 beschließt das Parlament des Commonwealth of England die Navigationsakte. Wichtige Importe dürfen fortan nur noch auf englischen oder auf Schiffen des Ursprungslandes ankommen. Das Gesetz war Teil des merkantilistischen Regimes, gegen das Adam Smith 1776 argumentierte.
Am 9. Oktober 1651 verabschiedete das Parlament des Commonwealth of England die Navigationsakte unter dem Titel "An Act for increase of Shipping, and Encouragement of the Navigation of this Nation".1 Ab dem 1. Dezember desselben Jahres durften Waren aus Asien, Afrika oder Amerika nur noch auf Schiffen eingeführt werden, die tatsächlich und ohne Umgehung dem Commonwealth oder seinen Kolonien gehörten.1 Bei Verstößen sah das Gesetz die Konfiszierung von Schiff und Ladung vor.2
Für Waren aus Europa galt eine mildere, aber ähnlich gerichtete Regel: Sie durften entweder auf Schiffen des Commonwealth oder auf Schiffen jenes Landes eingeführt werden, aus dem sie stammten.1,2 Ausnahmen galten für bestimmte Mittelmeerwaren und italienische Güter, die über festgelegte Häfen eingeführt werden durften.1 Auch Fisch und Fischprodukte mussten von Schiffen des Commonwealth mit überwiegend englischer Besatzung gefangen und verarbeitet sein, und Fremde durften keine Waren mehr zwischen englischen Häfen transportieren.2
Das Gesetz richtete sich vor allem gegen die niederländische Frachtschifffahrt, die zu dieser Zeit einen großen Teil des europäischen Warentransports abwickelte; England wollte damit eine günstige Handelsbilanz erzielen und das niederländische brechen.3 In den Kolonien wirkte die Regel konkret: Sie schloss niederländische Schiffe aus den amerikanischen Häfen aus, wodurch Pflanzer in Virginia einen ihrer wichtigsten Handelspartner für Tabak verloren.4 Encyclopedia Virginia beschreibt die Akte als Teil eines umfassenderen, von der Krone durchgesetzten Systems wirtschaftlicher Zwangsregeln, das die Kolonien als Rohstofflieferanten und Absatzmarkt an das Mutterland binden sollte.4
Als Gesetz des Interregnums wurde die Navigationsakte von 1651 mit der Restauration der Monarchie 1660 zusammen mit der übrigen Commonwealth-Gesetzgebung für nichtig erklärt; noch im selben Jahr verabschiedete das Parlament eine inhaltlich ähnliche, deutlich erweiterte neue Navigationsakte, die für rund zwei Jahrhunderte die Grundlage der britischen Handelspolitik blieb.5
Siehe auch
- Adam Smiths „Wohlstand der Nationen“ erscheint 1776 1776 Gegen dieses Regime schrieb Smith 125 Jahre später an.
- Großbritannien hebt die Korngesetze auf 1846 Dieselbe Logik, zwei Jahrhunderte später — und ihr Ende.
- Die VOC erhält ihren Freibrief — und erfindet die handelbare Aktie 1602 Die Handelskompanien, deren Vorrechte das Gesetz gegen niederländische Konkurrenz sicherte.