--- id: milankovic-strahlungstheorie-1920 title: Milanković rechnet aus, wie die Erdbahn das Klima verschiebt date: '1920-01-01' datePrecision: year dateSources: - s1 - s3 summary: >- 1920 erscheint in Paris Milutin Milankovićs mathematische Theorie der Sonneneinstrahlung, begonnen in der Internierung in Budapest. Bekannt wird sie erst über ein Buch von Köppen und Wegener, und bestätigt wird sie 1976 aus Tiefseebohrkernen — achtzehn Jahre nach seinem Tod. themeId: theme-rechnung verification: verified sources: - key: s1 title: >- Milankovic (Milankovitch), Milutin (Complete Dictionary of Scientific Biography, Aleksandar Petrović) publisher: Encyclopedia.com url: https://www.encyclopedia.com/science/dictionaries-thesauruses-pictures-and-press-releases/milankovic-milankovitch-milutin accessedAt: '2026-09-24' - key: s2 title: Milutin Milankovitch publisher: NASA Earth Observatory (Steve Graham) url: https://science.nasa.gov/earth/earth-observatory/milutin-milankovitch/ accessedAt: '2026-09-24' - key: s3 title: 'Scientist of the Day: Milutin Milanković' publisher: Linda Hall Library url: https://www.lindahall.org/about/news/scientist-of-the-day/milutin-milankovic/ accessedAt: '2026-09-24' - key: s4 title: Milankovitch hypothesis (Joseph L. Spradley, Research Starters) publisher: EBSCO url: https://www.ebsco.com/research-starters/astronomy-and-astrophysics/milankovitch-hypothesis/ accessedAt: '2026-09-25' disputed: - claim: Aufnahme der Theorie bis in die 1970er Jahre positions: - value: >- in den 1930er und 1940er Jahren breit angenommen, danach fast aufgegeben source: s1 - value: rund fünfzig Jahre weitgehend unbeachtet source: s2 resolution: >- Spradley stützt s1: Aufgegeben wurde die Theorie erst, als die Radiokarbondatierung in den 1950er Jahren ihr zu widersprechen schien. Die fünfzig Jahre bei NASA reichen von der Veröffentlichung bis zur Bestätigung. - claim: Material der Bestätigung von 1976 positions: - value: Tiefseebohrkerne source: s2 - value: Eisbohrkerne source: s3 resolution: >- Tiefseebohrkerne. Das Dictionary of Scientific Biography nennt ebenfalls Sauerstoffisotope aus Tiefseekernen; die Angabe der Linda Hall Library ist ein Versehen und nicht übernommen. provenance: origin: recherche createdBy: '/research (Musterlauf: klimawandel)' reviewedBy: research reviewedAt: '2026-09-24' seeAlso: - id: arrhenius-kohlensaeure-1896 note: >- Arrhenius suchte die Ursache der Eiszeiten in der Luft, Milanković in der Erdbahn. - id: callendar-1938 note: >- Achtzehn Jahre später kehrt die Kohlensäure als Erklärung für eine Temperaturänderung zurück. reviewNotes: verdict: empfohlen notes: >- Rolle im Musterlauf: dazwischen (größte Lücke klimawandel/angstroem-saettigung-1900 → callendar-1938, 38 Jahre). Gehört in theme-rechnung („Rechnen ohne Messreihe“), das damit einen vierten Eintrag bekommt; keine neue Epoche, kein neues Thema. Drei unabhängige Quellen: ein biografisches Nachschlagewerk, eine Behörde, eine Fachbibliothek. Kein Tag überliefert — date steht auf dem 1. Januar, und der Text sagt das. Die Rezension von P. J. Daniell im Bulletin of the American Mathematical Society (1923) war nur als Titelaufnahme erreichbar und ist deshalb nicht zitiert. Die Periodenlängen der drei Bahnzyklen sind bewusst weggelassen: Sie stehen nur auf einer zweiten NASA-Seite, die als dieselbe Quelle zählen würde. Glossar bei Übernahme: Insolation / Sonneneinstrahlung, Präzession. --- Im Jahr 1920 erschien bei Gauthier-Villars in Paris die „Théorie mathématique des phénomènes thermiques produits par la radiation solaire“ des serbischen Mathematikers Milutin Milanković.[^s1][^s3] Einen genauen Tag nennt keine der Quellen.[^s1][^s3] Milanković lehrte seit 1909 an der Universität Belgrad.[^s1][^s3] Bei Kriegsbeginn 1914 nahmen ihn die österreichisch-ungarischen Behörden auf der Hochzeitsreise in seinem Geburtsort Dalj fest; er wurde in Budapest interniert, wo er unter Aufsicht der Polizei weiterarbeiten konnte.[^s1][^s3] Das Buch entwickelt eine mathematische Theorie des Klimas aus der Sonnenstrahlung, die je nach Jahreszeit und geografischer Breite auf die Erde trifft.[^s2] Es enthält auch Vorhersagen über das heutige Klima von Merkur, Venus, Mars und Mond, die das Dictionary of Scientific Biography als die ersten verlässlichen bezeichnet und die bis auf die zur Venus bis heute gelten.[^s1] Auf Anregung des Klimatologen Wladimir Köppen wählte Milanković die Sommereinstrahlung auf 65 Grad nördlicher Breite als maßgebliche Größe und rechnete ihre Schwankungen für 600.000 Jahre vor 1800 zurück.[^s2] Die Linda Hall Library schreibt, das Buch von 1920 habe niemand bemerkt.[^s3] Bekannt wurde die Arbeit über Köppen und seinen Schwiegersohn Alfred Wegener, die 1924 ihr Buch „Die Klimate der geologischen Vorzeit“ veröffentlichten und darin Milankovićs Einstrahlungskurve abdruckten.[^s1][^s3] Die Kurve deckte sich mit der Datierung von vier alpinen Eiszeiten, die Albrecht Penck und Eduard Brückner fünfzehn Jahre zuvor vorgelegt hatten, und wurde bald als geologischer Kalender verwendet.[^s1] 1941 fasste Milanković seine Arbeit in einem Werk zusammen, das die Quellen als „Canon of Insolation and the Ice-Age Problem“ führen.[^s1][^s3] Wie die Theorie danach aufgenommen wurde, stellen die Quellen verschieden dar.[^s1][^s2] Nach dem Dictionary of Scientific Biography fand sie in den 1930er und 1940er Jahren breite Zustimmung und wurde in den beiden folgenden Jahrzehnten fast aufgegeben; nach NASA blieb sie rund fünfzig Jahre weitgehend unbeachtet.[^s1][^s2] Joseph L. Spradley stützt die erste Darstellung: Als die Radiokarbondatierung in den 1950er Jahren der Theorie zu widersprechen schien, wurde sie eine Zeit lang aufgegeben.[^s4] Einig sind sich die Quellen über 1976: James Hays, John Imbrie und Nicholas Shackleton fanden in Sauerstoffisotopen aus Tiefseebohrkernen die Zyklen wieder, über einen Zeitraum von 450.000 Jahren.[^s1][^s2] Die großen Klimaschwankungen hingen danach eng mit drei Größen der Erdbahn zusammen: der Exzentrizität, der Neigung der Erdachse und der Präzession.[^s2] Milanković war am 12. Dezember 1958 gestorben.[^s1][^s3] Ende der Datei: 4 Quellen.