--- id: angstroem-saettigung-1900 title: Ångström-Versuch drängt die CO₂-Frage für Jahrzehnte an den Rand date: '1900-01-01' datePrecision: year dateSources: - s2 - s4 summary: >- 1900 misst Knut Ångström, dass weniger Kohlendioxid die Absorption kaum ändert, und schließt daraus, die Wirkung sei gesättigt. Der Schluss war falsch — und drängte die Frage für Jahrzehnte aus der Fachdebatte. themeId: theme-labor verification: verified sources: - key: s1 title: Physicists Pinpoint the Quantum Origin of the Greenhouse Effect publisher: Quanta Magazine url: https://www.quantamagazine.org/physicists-pinpoint-the-quantum-origin-of-the-greenhouse-effect-20240807/ accessedAt: '2026-09-21' - key: s2 title: Knut Ångström publisher: Wikipedia url: https://en.wikipedia.org/wiki/Knut_%C3%85ngstr%C3%B6m accessedAt: '2026-09-21' - key: s3 title: 'Kohlendioxid — Sättigung der Absorptionsbanden (WD 8 - 3000 - 014/20)' publisher: Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages url: https://www.bundestag.de/resource/blob/964612/WD-8-014-20-pdf.pdf accessedAt: '2026-09-21' - key: s4 title: >- The Carbon Dioxide Greenhouse Effect (aus: The Discovery of Global Warming, Fassung April 2026) publisher: Spencer Weart / American Institute of Physics url: https://history.aip.org/climate/pdf/CO2.pdf accessedAt: '2026-09-22' disputed: - claim: Dauer des Stillstands nach Ångströms Einwand positions: - value: rund ein halbes Jahrhundert source: s1 - value: nächste Untersuchungen bereits im Jahr 1931 source: s3 resolution: >- Beide Angaben meinen Verschiedenes. Hulburt rechnete 1931 nach und stützte Arrhenius — nur bemerkte es kaum jemand. Noch das Compendium of Meteorology der American Meteorological Society von 1951 gab Ångströms Einwand als Stand der Dinge wieder. provenance: origin: recherche createdBy: '/research (Musterlauf: klimawandel)' reviewedBy: research reviewedAt: '2026-09-21' seeAlso: - id: arrhenius-kohlensaeure-1896 note: >- Die Rechnung, gegen die sich dieser Versuch richtete. - id: callendar-1938 note: >- Der erste, der die Frage öffentlich wieder aufnimmt und dabei gehört wird. - id: eunice-foote-1856 note: >- Derselbe Aufbau, vierundvierzig Jahre früher und mit dem umgekehrten Befund. reviewNotes: verdict: empfohlen notes: >- Rolle im Musterlauf: dazwischen (Lücke 1896 → 1938, 42 Jahre). Der Eintrag füllt die Lücke nicht nur, er erklärt sie: Dass zwischen Arrhenius und Callendar so lange nichts geschah, ist die Folge dieses Versuchs. Am 21.09.2026 durch /daily auf drei Quellen gebracht und zugleich korrigiert: Titel, Summary und Fließtext behaupteten „ein halbes Jahrhundert“, während der eigene Querverweis auf callendar-1938 zeigt — achtunddreißig Jahre. Die Abweichung steht jetzt in disputed. Die Originalarbeit erschien 1900 in den Annalen der Physik; ein Faksimile war in diesem Lauf nicht auffindbar, und die übrigen Fundstellen (RealClimate, Skeptical Science) sind Blogs, auch wenn Fachleute darin schreiben. Ein Datum über das Jahr hinaus nennt keine Quelle — date steht deshalb auf dem 1. Januar, und der Text sagt das ausdrücklich. Am 22.09.2026 aufgelöst: Die Abweichung war keine. Hulburt nahm die Frage 1931 wieder auf und stützte Arrhenius, nur las es kaum jemand; Ångströms Einwand stand noch 1951 im Compendium of Meteorology. Damit ist auch die achtunddreißig aus dem Querverweis überholt — sie maß die Wirkung, nicht die Wiederaufnahme. --- Im Jahr 1900 veröffentlichte der schwedische Physiker Knut Ångström, seit 1896 Professor in Uppsala, das Ergebnis eines Laborversuchs, den sein Assistent J. Koch ausgeführt hatte.[^s2] Gemessen wurde, wie stark Kohlendioxid Wärme­ strahlung schluckt, wenn man seine Menge verringert.[^s2][^s4] Verringerte man sie um ein Drittel, änderte sich die Absorption nach diesen Messungen nicht nennenswert.[^s2][^s4] Ein genaues Datum nennen die Quellen nicht; gesichert ist das Jahr.[^s2] Ångström schloss daraus, die Wirkung sei gesättigt: In der Luft stecke bereits so viel Kohlendioxid, dass es die fragliche Strahlung vollständig aufnehme, und mehr davon ändere nichts.[^s1] Das war der Gegensatz zu Svante Arrhenius, der vier Jahre zuvor ausgerechnet hatte, wie stark sich die Erde bei doppeltem Gehalt erwärmen müsste.[^s3][^s4] Beide hatten in der Sache recht und in den Zahlen unrecht.[^s2] Der Einwand wirkte länger als die Rechnung.[^s1] Die Zweifel, die er an Arrhenius' Theorie weckte, drängten die Frage für Jahrzehnte an den Rand der Fachdebatte.[^s1] Wie lange genau, sagen die Quellen verschieden: Ein Rückblick spricht von rund einem halben Jahrhundert,[^s1] ein Gutachten der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages setzt die nächsten Untersuchungen schon auf das Jahr 1931.[^s3] Beides lässt sich zusammenbringen.[^s4] In jenem Jahr rechnete der Physiker E. O. Hulburt nach und stützte damit Arrhenius: Eine Verdopplung oder Halbierung des Kohlendioxids ändere die Oberflächentemperatur um rund vier Grad.[^s4] Bemerkt hat die Arbeit kaum jemand — Hulburt forschte am Naval Research Laboratory und veröffentlichte in einer Zeitschrift, die unter Meteorologen wenig gelesen wurde.[^s4] Wie lange Ångströms Einwand stattdessen galt, zeigt das Compendium of Meteorology der American Meteorological Society von 1951: Dort steht er noch als Stand der Dinge.[^s4] Übersehen hatte Ångström, dass Kohlendioxid auch Wellenlängen knapp unter und über 15 Mikrometern aufnimmt.[^s1] Dazu kam eine zweite Fehlannahme — Ångström hielt die Absorptionsbereiche von Wasserdampf und Kohlendioxid für deckungsgleich und die Wirkung des Kohlendioxids deshalb für vernachlässigbar.[^s3] Im Rohr galt nicht, was draußen gilt: Der Versuch teilte die Gase in getrennte Schichten, und daraus folgte, drei Meter Kohlendioxid seien genug zur Sättigung.[^s3] Für eine Laborröhre trifft das zu, für die Atmosphäre nicht — sie lässt sich nicht in diskrete Schichten zerlegen.[^s3] Aus heutiger Sicht gilt der Versuch als ungenau ausgeführt — und als historisch bedeutsam für die Theorie des Treibhauseffekts.[^s2] Ende der Datei: 4 Quellen.