--- id: voc-1602 title: Die VOC erhält ihren Freibrief — und erfindet die handelbare Aktie date: '1602-03-20' datePrecision: day dateSources: - s1 - s3 summary: >- Am 20. März 1602 verleihen die niederländischen Generalstaaten der Vereinigten Ostindischen Kompanie ein Handelsmonopol für 21 Jahre. Artikel 10 des Freibriefs erlaubt jedem Einwohner, Anteile zu zeichnen — und die Anteile dürfen den Besitzer wechseln. themeId: theme-aktiengesellschaft verification: verified sources: - key: s1 title: Dutch East India Company publisher: World History Encyclopedia url: https://www.worldhistory.org/Dutch_East_India_Company/ accessedAt: '2026-09-15' - key: s2 title: The world's first IPO publisher: The World's First Stock Exchange url: https://www.worldsfirststockexchange.com/2020/10/15/the-worlds-first-ipo/ accessedAt: '2026-09-15' - key: s3 title: Dutch United East India Company publisher: Encyclopedia.com url: https://www.encyclopedia.com/history/encyclopedias-almanacs-transcripts-and-maps/dutch-united-east-india-company accessedAt: '2026-09-15' provenance: origin: recherche reviewedBy: recherche reviewedAt: '2026-09-15' seeAlso: - id: hanse-stralsund-1370 note: >- Davor organisierte sich Fernhandel als Bund von Städten, nicht als Gesellschaft. - area: geld id: tulpenmanie-1637 note: Derselbe Markt, 35 Jahre später und ohne Schiffe dahinter. --- Am 20. März 1602 verliehen die Generalstaaten der niederländischen Republik der Vereinigten Ostindischen Kompanie (Verenigde Oost-Indische Compagnie) einen Freibrief: ein Handelsmonopol östlich des Kaps der Guten Hoffnung für 21 Jahre.[^s1][^s3] Die Gesellschaft entstand als staatlich verfügter Zusammenschluss bis dahin konkurrierender Reedereien.[^s1] Der Freibrief umfasste 46 Artikel; Artikel 10 legte fest: "All the residents of these lands may buy shares in this Company."[^s1][^s2] Frühere Unternehmungen holten ihr Kapital aus einem kleinen Kreis privater Anleger um die Direktoren; hier durfte jeder Einwohner zeichnen, ohne Mindest- und ohne Höchstbetrag.[^s2] Die Zeichnung lief bis Ende August 1602 im Wohnhaus des Kaufmanns Dirck van Os; als die Bücher am 31. August geschlossen wurden, hatten allein in Amsterdam 1.143 Zeichner 3.674.945 Gulden aufgebracht.[^s2] Über alle sechs Kammern kamen rund 6,4 Millionen Gulden zusammen, 57 Prozent davon aus Amsterdam.[^s1] Hinzu kam eine zweite Bestimmung: Anteile durften übertragen werden.[^s2] Das Zeichnungsregister hielt fest, dass die Übertragung über den Buchhalter zu erfolgen habe.[^s2] Damit war ein Anteil nicht mehr an die Laufzeit eines Unternehmens gebunden; nie zuvor hatte ein amtliches Dokument so ausdrücklich festgehalten, dass Anteile gehandelt werden durften.[^s2] Geführt wurde die Kompanie von siebzehn Direktoren, den Heeren XVII: acht aus Amsterdam, vier aus Zeeland, je einer aus Delft, Rotterdam, Hoorn und Enkhuizen; der siebzehnte Sitz wanderte zwischen den kleineren Kammern, damit Amsterdam keine Mehrheit hatte.[^s1] Die Generalstaaten gaben der Gesellschaft zudem hoheitliche Befugnisse: Verträge mit asiatischen Herrschern schließen, Festungen errichten, Gouverneure einsetzen und Truppen unterhalten.[^s3] Obwohl ihr Zweck der Handel war, wurde die Kompanie im Asien des 17. Jahrhunderts zur Kolonialmacht.[^s1] Ende der Datei: 3 Quellen.