--- id: tulpenmanie-1637 title: Die Tulpenmanie bricht zusammen — und wird zur Legende date: '1637-02-01' datePrecision: month dateSources: - s1 - s3 summary: >- Anfang Februar 1637 findet der Tulpenhandel in den Niederlanden keine Käufer mehr, die Preise fallen um bis zu 95 Prozent. Die Archivforschung zeigt allerdings: Es handelten einige hundert wohlhabende Leute, und ein einziger daraus folgender Bankrott ist nicht nachweisbar. themeId: theme-erste-blase verification: verified sources: - key: s1 title: 'Tulip mania: the classic story of a Dutch financial bubble is mostly wrong' publisher: The Conversation url: https://theconversation.com/tulip-mania-the-classic-story-of-a-dutch-financial-bubble-is-mostly-wrong-91413 accessedAt: '2026-09-15' - key: s2 title: 'Tulipmania: Money, Honor, and Knowledge in the Dutch Golden Age' publisher: University of Chicago Press url: https://press.uchicago.edu/ucp/books/book/chicago/T/bo5414939.html accessedAt: '2026-09-15' - key: s3 title: Die Tulpenmanie — Anatomie des ersten großen Börsencrashs publisher: EpochenTaucher url: https://www.epochentaucher.de/europa/die-tulpenmanie-anatomie-des-ersten-grossen-boersencrashs/ accessedAt: '2026-09-15' provenance: origin: recherche reviewedBy: recherche reviewedAt: '2026-09-15' seeAlso: - area: handel id: voc-1602 note: Der Markt, auf dem gehandelt wurde, war 35 Jahre zuvor entstanden. - area: internet id: dotcom-crash-2000 note: >- Dieselbe Erzählung, andere Ware — und dort sind die Verluste tatsächlich belegt. - id: ftx-2022 note: Der Vergleich mit der Tulpe wird seit 2017 auf Kryptowährungen angewandt. --- Den Höhepunkt erreichte der niederländische Tulpenhandel am 3. Februar 1637 in Alkmaar, wo bei der Versteigerung eines Züchternachlasses für 99 Posten zusammen 90.000 Gulden erzielt wurden.[^s3] Zwei Tage später, am 5. Februar, scheiterte in Haarlem eine Auktion an mangelndem Interesse — damit brach die Grundlage des Handels weg, und die Preise fielen schätzungsweise um 95 Prozent.[^s3] Die Historikerin Anne Goldgar führt den Einbruch wahrscheinlich auf die Furcht vor einem Überangebot und auf die Unhaltbarkeit des vorherigen Anstiegs zurück.[^s1] Gehandelt wurden nicht Blumen, sondern Terminkontrakte auf Zwiebeln, die noch in der Erde lagen.[^s3] Zeitgenossen nannten das spöttisch Windhandel, weil keine Ware den Besitzer wechselte.[^s3] Bezahlt werden sollte erst bei der Lieferung im Mai oder Juni;[^s1] deshalb floss im Winter 1637 weit weniger Geld, als die Vertragssummen vermuten lassen.[^s3] Städtische Kommissionen wickelten die Verträge später ab; oft kauften sich die Käufer mit 3,5 Prozent der vereinbarten Summe frei.[^s3] Die bekannte Erzählung von einem ganzen Volk im Kaufrausch ist weitgehend falsch.[^s1] Goldgar zählte in den Archiven 37 Personen, die mehr als 300 Gulden ausgaben; die meisten Zwiebeln waren deutlich billiger, und die meisten Käufer konnten sich ihren Kauf leisten.[^s1] Beteiligt war ein überschaubarer, wohlhabender Teil des Bürgertums — Kaufleute und Handwerksmeister, verbunden durch Familie, Gemeinde und Nachbarschaft.[^s1] Anderen Darstellungen zufolge blieb der Handel auf rund 400 Personen beschränkt.[^s3] Bankrotte, die eindeutig auf den Tulpenhandel zurückgehen, fand Goldgar keine; die Berichte von Ruinierten, die sich in Grachten stürzten, sind nicht belegbar.[^s1] In einer Besprechung ihres Buches von 2007 hält Natalie Zemon Davis fest, der Zusammenbruch habe weniger die Wirtschaft getroffen als das Vertrauen in Ehre und Urteilsvermögen.[^s2] Woher stammt dann die Legende?[^s1] Aus Spottschriften des Jahres 1637, die spätere Autoren aufgriffen — vor allem Charles Mackay, dessen Buch von 1841 die Erzählung verbreitete.[^s1] Ende der Datei: 3 Quellen.