--- id: kipper-und-wipperzeit-1618 title: Die Kipper- und Wipperzeit entwertet ab 1618/19 das Geld im Reich date: '1618-01-01' datePrecision: year dateSources: - s2 - s3 summary: >- Zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges senkten Münzherren im Reich den Silbergehalt ihrer Münzen immer weiter. Die Preise stiegen rasch; 1623 kehrte man zum alten Münzfuß zurück. themeId: theme-gutes-und-schlechtes-geld seeAlso: - id: joachimsthaler-1520 note: >- Der Taler, an dem die Landleute 1621 wieder bezahlt werden wollten, stammte aus Joachimsthal. - id: amsterdamer-wisselbank-1609 note: >- Amsterdam hatte auf schlechtes Münzgeld zehn Jahre früher mit einer Bank geantwortet. - area: konflikte id: westfaelischer-friede-1648 note: >- Der Krieg, an dessen Beginn die Münzentwertung stand, endete dreißig Jahre später mit diesem Frieden. verification: verified sources: - key: s1 title: Die Kipper- und Wipperzeit (Senta Herkle, Marius Wieandt) publisher: Landesarchiv Baden-Württemberg, LEO-BW url: https://www.leo-bw.de/en/themenmodul/dreissigjaehriger-krieg/auswirkungen/kipper-und-wipperzeit accessedAt: '2026-10-04' - key: s2 title: The German economic crisis of 1618 to 1623 (the Kipper and Wipper period) publisher: Deutsche Bundesbank, Geldmuseum url: https://www.bundesbank.de/resource/blob/616858/c9f00b1c6b274b002a213de7bb02b964/mL/the-german-economic-crisis-of-1618-to-1623-data.pdf accessedAt: '2026-10-04' - key: s3 title: >- Die Zeit der Kipper und Wipper (1618–1623) (Richard Gaettens, Inflationen, 2. Aufl. 1955, Auszug) publisher: coingallery.de url: https://www.coingallery.de/Texte/Zeit_der_Kipper_und_Wipper.htm accessedAt: '2026-10-04' - key: s4 title: Kipper- und Wipperzeit publisher: Münzkurier url: https://www.muenzkurier.de/muenz-und-edelmetall-lexikon/kipper-und-wipperzeit/ accessedAt: '2026-10-04' - key: s5 title: Währung (bis 1800) publisher: Historisches Lexikon Bayerns (Bayerische Staatsbibliothek) url: https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/W%C3%A4hrung_(bis_1800) accessedAt: '2026-10-05' disputed: - claim: Beginn der Kipper- und Wipperzeit positions: - value: '1618' source: s2 - value: '1619' source: s1 resolution: >- Kein festes Anfangsjahr: Nach s5 begann die Verschlechterung schon in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, Höhepunkt 1619–1622. 1618 und 1619 setzen den Beginn der Hochphase verschieden an; der Eintrag nennt beide. - claim: Herkunft des Namens positions: - value: Schnellwaagen, mit denen gute Münzen aussortiert wurden source: s1 - value: Silberaufkäufer der Münzmeister source: s3 resolution: >- Beide Erklärungen ergänzen sich: Nach der Bundesbank geht der Name auf die Praktiken der Aufkäufer zurück, die gute Münzen mit Wippen aussortierten. provenance: origin: recherche model: beschaffer:sonnet createdBy: '/research (manuell, Thema: Geld, Lücke 1024–1637)' reviewedBy: research reviewedAt: '2026-10-04' --- Als Kipper- und Wipperzeit wird die schnelle Münzentwertung zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges bezeichnet; das Landesarchiv Baden-Württemberg setzt sie zwischen 1619 und 1623 an.[^s1] Die Deutsche Bundesbank lässt die Verschlechterung der Münzen mit dem Kriegsbeginn 1618 einsetzen und bis 1623 dauern.[^s2] Richard Gaettens überschrieb sein Kapitel von 1955 „Die Zeit der Kipper und Wipper (1618-1623)“.[^s3] Nach dem Historischen Lexikon Bayerns hatte die Verschlechterung des Kleingelds schon in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts begonnen und erreichte zwischen 1619 und 1622 ihren Höhepunkt.[^s5] Nach der Bundesbank war es die höchste Inflation in der Geschichte des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation.[^s2] Mit dem Krieg stiegen die Ausgaben für Rüstung stark, und man verschlechterte die Münzen bewusst, indem man umlaufende Stücke mit höherem Silbergehalt als Rohstoff für neue verwendete.[^s2] Der Name geht nach dem Landesarchiv auf Schnellwaagen zurück, mit denen man durch „Kippen“ und „Wippen“ Münzen mit hohem Edelmetallanteil aussortierte, einschmolz und mit Kupfer, Blei oder Zinn zu minderwertigem „Kippergeld“ umarbeitete.[^s1] Bei Gaettens heißen dagegen die Silberaufkäufer, die für die Münzmeister arbeiteten, Kipper und Wipper.[^s3] Die Bundesbank verbindet beides: Der Name gehe auf die Praktiken der Aufkäufer zurück, die mit Waagen die guten Münzen aussortierten.[^s2] Der Silbergehalt sank immer weiter, bis schließlich Münzen aus reinem Kupfer auf den Markt kamen.[^s2] Es verbreiteten sich sogenannte Heckenmünzen, nach dem Landesarchiv illegal geprägte, minderwertige Münzen; an den Geldspekulationen beteiligte sich auch der Kaiser.[^s1] Bei Gaettens und im Münzkurier bezeichnet das Wort die Münzstätten selbst, die eigens für Kleinmünzen eingerichtet wurden und nicht zugelassen waren.[^s3][^s4] In Dresden kostete ein Scheffel Weizen nach Gaettens von 1600 bis 1620 2 Reichstaler 15 Groschen, 1621 schon 5 Reichstaler 13 Groschen und 1622 11 Reichstaler 5 Groschen.[^s3] Getroffen waren vor allem Menschen mit festem Einkommen; die Bundesbank nennt Lehrer und Rentner, die nicht mehr genug zum Leben hatten.[^s1][^s2] Zwischen 1623 und 1624 kehrten die Obrigkeiten nach der Bundesbank zum alten Münzsystem zurück, zogen die Kippermünzen ein und erklärten sie zu ungültigem Zahlungsmittel.[^s2] Der Münzkurier setzt die Rückkehr der meisten Münzherren zu besserem Geld ab 1622/23 an.[^s4] Ende der Datei: 5 Quellen.